Das verschwundene Dorf im Bayerischen Wald -Leopoldsreut

Schon desöfteren haben wir vom mysteriösen,  geheimnissvoll verschwundenen Dorf in einer der unwirtlichsten Gegenden des Bayerischen Waldes gehört und, natürlich, wie bei allen Menschen löste das Neugier aus.

Leopoldsreut

Ein Dorf, das es nicht mehr gibt – Leopoldsreut

 

Ein verschwundenes Dorf, womöglich verwunschen, mit einem Fluch belegt oder ausradiert, bestimmt eine Katastrophe, ein Meteoriteneinschlag, dem Erdboden gleich gemacht, die Fantasie kennt ja bekanntlich keine Grenzen. Jetzt haben wir es gesehen….und wie immer, es ist ganz profan, fast alltäglich. Wir sprechen vom Dorf Leopoldsreut, das wir jetzt endlich „besucht“ haben oder das, was davon übriggeblieben ist.

Altes Schulhaus Leopoldsreut

Das alte Schulhaus in Leopoldsreut im Jahre 2014

Das ehemalige Leopoldsreut liegt im Landkreis Freyung-Grafenau, und dort nahe an der Grenze zu Tschechien, sprichwörtlich im tiefsten Wald, jedenfalls heute. Denn als es die Gemeinde noch gab, lag sie ungeschützt und nicht bewaldet auf einer Hochebene direkt am Berg Haidel(1167m). Gegründet im 17.Jahrhundert, war es lange Zeit eine Mautstation am sogenannten „Goldenen Steig“, nachdem dies immer mehr an Bedeutung verlor, wurde eher Landwirtschaft und Viehzucht betrieben, oder die Menschen fanden Arbeit in den Glashütten und Hammerwerken. Aber im 18./19.Jahrhundert begann dann das langsame Abwandern der Menschen und das Sterben des Dorfes, im Jahr 1963 wurde Leopoldsreut dann aufgelöst. Die Häuser wurden abgerissen, nur die Kirche und ein Schulhaus stehen von den ehemals 35 Häusern heute noch. Heute sieht man von den Häusern, Höfen oder dem Wirtshaus nichts mehr. Sie wurden komplett „entfernt. Mittlerweile wird auf Schautafeln und in Infomaterial entlang der ehemaligen Dorfstrasse sehr gut über Leopoldsreut informiert.

Hausreste Leopoldsreut

Die Rest eines alten Hauses im heutigen Wald von Leopoldsreut

Als wir den Ort besuchten, der heute komplett im Wald liegen würden, bekamen wir eine Ahnung wie die klimatischen Verhältnisse auf einer offenen Landschaft gewesen sein müssen. Hart, kalt und wirklich gnadenlos. Es pfiff und peitschte der Wind, Schneeregen und Hagel prasselten auf uns ein, und das im Mai, riesige Fichten rahmen das Gelände komplett ein. Wie man auf den Infotafeln erfährt, war der Winter unerbittlich hart, die Ortschaft wochen oder gar monatelang von der Aussenwelt abgeschnitten, man musste sich ernähren von dem, das noch da war. Dies alles spürt man, so finden wir jedenfalls, immer noch an diesem Ort. Es fühlt sich nach einer gewissen Trostlosigkeit, Einsamkeit und Entbehrung an. Auf jeden Fall ist es lohnenswert, Leopoldsreut zu besuchen. Und wenn man ehrlich ist, gibt es auch heute noch im Bayerischen Wald Ansiedlungen oder Orte, die schon das gleiche Schicksal ereilt hat oder ereilen wird. Ein Besuch an diesem unwirklichen Ort lohnt sich auf jeden Fall. Vom Ort Bischofsreut, nahe Haidmühle, aus, erreicht man den etwa 4km entfernten Ort recht gut zuerst über eine geteerte Strasse, dann über eine Forststrasse. In Bischofsreut ist alles gut ausgeschildert. Etwa 1,5km vor Leopoldsreut befindet sich ein großer Parkplatz, von dort aus sind es etwa 15min zu Fuss nach Leopoldsreut. Dort wurden mit Engagement Infos zusammengetragen und auf Schildern gut präsentiert. Während des Besuches haben wir uns immer wieder gewundert, dass mittlerweile ein dichter Fichtenwald rund um den Ort den „Himmel verdunkelt“. Des Rätsels Lösung war dann auch interessant. Nach Auflösung des Dorfes fiel das Land an den Freistaat Bayern, der sofort damit begann ausschließlich Fichten zu pflanzen. Es wird keinen wundern, regelmässig fielen diese den Schneebrüchen zum Opfer. Erst im Jahr 2000 erkannte man anscheinend bei den zuständigen, kompetenten Behörden, dass Monokulturen in solchen Regionen überhaupt nicht funktionieren und man begann endlich den Bergmischwald anzulegen, der jetzt so hochgepriesen und in aller Munde ist.

Schautafel Leopoldsreut

Ein Ausschnitt der vielen Schautafeln im Dorf

In weiteren 20 Minuten kann man von Leopoldsreut zum Gipfel des Haidel gehen. Vom dortigen Aussichtsturm aus hat man bei gutem Wetter eine schöne Fernsicht.

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