Hinterglasmalerei – Neukirchener Schule

Hinterglasmalerei  – alte Handwerkskunst aus dem Bayerischen Wald

Wer im Bayerischen Wald unterwegs ist, ahnt kaum, dass hier einmal bekannte Malerschulen existierten. Überwiegend Hinterglasmalereien sind dabei überliefert, die man heute noch in Kirchen, Kapellen und Kreuzwegen bestaunen kann.

Hinterglasmalerei

“ Hinterglasbild aus unserer Zeit, gemalt von Robert Haimerl- 2013

Besonders zu erwähnen ist darunter die sogenannte „Neukirchener Schule“. Darunter versteht man heute überwiegend die Malschulen der Familien Wittman und Stoiber. In der Zeit von etwa 1751 bis 1884 wirkten diese familiären Malbetriebe und  schufen dabei eine beachtliche Anzahl von Bilder, vor allem eben für die Wallfahrtsorte wie z.B. Neukirchen beim heiligen Blut. Glaubt man den Unterlagen der Chronisten, so besuchten im Jahre 1752 etwa 70.000 Wallfahrer Neukirchen.  Die Anzahl der Wallfahrer stieg in den Jahren nach den Erbfolgekriegen ständig an. Darauf stellten sich die Künstler ein und versuchten ihr Geld in der ansonsten kargen Gegend mit dem Malen zu verdienen. Die Gläubigen beteten in der Wallfahrtskirche Neukirchen b. hl. Blut und kauften Andachtsbilder und Votivbilder. Die Heiligenbilder waren u.a. bemalte Glasplatten, sogenannte Hinterglas-Bilder aus den oben genannten Malschulen.  Das Material für die Hinterglasbilder bezogen die Maler aus den nahen Glasbetrieben. Es gab aber noch mehrere andere solcher Malschulen, die heute nicht alle mit Namen überliefert sind. Die Konzentration innerhalb der Orte Neukirchen und dem nahen Haibühl führte dann auch zu dem Namen “ Neukirchener Schule„. Heute würde mal zu wohl ein anderes Wort benutzen wie etwas “ Kompetenzzentrum Glasmalerei“.

Als Begründer der Neukirchener Schule benennt man heute Johann Georg Wittmann (1715-1771). Er nutzte das Aufblühen der Wallfahrten für sein Geschäft und gab sein Wissen an die nächste Generation weiter. Neben Wittmann wirkte ein weiterer bekannter Maler, Andreas Stoiber ( 1778-1857)  der 1806 seine Werkstatt in Haibühl hatte. Andreas Stoiber erlernte wohl sein Handwerk beim oben erwähnten Johann Georg Wittmann.

Die ersten, hinter das Glas, gemalten Bilder aus dem Wallfahrtsort Neukirchen kann man auf die Zeitspanne von 1730-1740 festlegen.

Wie werden Hinterglasbilder gemalt?

Unser kleiner Videoclip soll euch zeigen, wie man ein Hinterglasbild malt. Der Maler kontrolliert dabei durch Drehen nach vorne immer wieder seine Pinselstriche. Die Hinterglasbilder werden meist mit Ölfarben gemalt und bedürfen einer langen Trockenzeit zwischen den einzelnen Malphasen.

Wo kann man heute Hinterglasbilder sehen?

Heute gibt es all diese Schulen nicht mehr. Die Häuser sind zum Teil abgerissen, die Werke findet man in einigen Museen in Ostbayern, Kirchen, Kapellen und Privatsammlungen. Einige Mussen haben ganze Abteilungen für die Hinterglasbilder eingerichtet. Die meisten Exemplare hat das Museumsdorf Bayerischer Wald in Tittling mit etwa 370 Bildern. Das Wallfahrtsmuseum Neukirchen b. hl. Blut, das Waldmuseum Zwiesel, das Landestor Museum in Furth im Wald und das Wolfsteiner Heimatmuseum in Freyung besitzen Bilder in ihren Räumen.

Kreuzwegbilder Hinterglasmalerei

Zwei Hinterglasbilder des Kreuzweges in der Kirche in Sankt Englmar

Nur noch wenige Hobbymaler widmen sich heute noch der zeitaufwändigen Malkunst. Somit könnte mal wieder eine alte Volkskunst aussterben ohne das wir dies merken.

Literatur zum Thema: „Hinterglasbilder der Neukirchener Schule“ von Raimund Schuster, Verlag Morsak. Das Buch ist aus dem Jahre 1975 und leider ausverkauft und nur noch im Antiquariat erhältlich.

 

Wer mehr zu Neukirchen beim heiligen Blut lesen möchte oder zum Klangweg, erfährt es in unseren beiden Artikeln.

2 Kommentare zu Hinterglasmalerei – Neukirchener Schule

  1. Pingback:Skifahren, rodeln und Themenwanderungen in St. Englmar | Ausflugsziele und Tipps für den Bayerischen Wald

  2. Pingback:Spitze und aufrecht stehende Bretter am Wegesrand | Ausflugsziele und Tipps für den Bayerischen Wald

Schreibe einen Kommentar

Please use your real name instead of your company name or keyword spam.