Hintergründe zu den Natotürmen -Interview

Vor Kurzem hat die Aussichtsplattform am Hauptturm auf dem Hohenbogen eröffnet(2014). Da die Türme schon immer irgendwie geheimnisumwittert waren(militärisches Sperrgebiet), man nicht genau wusste, wie und was und Fragen dazu während der Zeit des Kalten Kriegs nie beantwortet wurden, haben wir jetzt die Gelegenheit ergriffen und  angefragt, was es den so auf sich hat diesen ganzen Gerüchten. Deshalb führten wir gestern ein Interview mit Florian Meier, Vorsitzender des Vereins, sektor.f.

 

Plan Natoanlage

Übersichtsplan der Anlage am Hohenbogen

AZBW: Herr Meier, was hat es mit dem Verein sektor.f auf sich und welche Ziele verfolgt er?

Meier: Der Verein wurde 2012 gegründet und das grob gefasste Ziel ist unser Slogan „Dein Blick auf Europa“, also den europäischen Gedanken des Miteinanders und nicht Gegeneinanders mehr in den Alltag der Menschen zu bringen. Politsche Bildung ist für uns ein wichtiges Stichwort. Geplant wäre, in den, jetzt noch unrenovierten, Räumen des Turmes für Interessierte(Schulklassen, Vereine, ……)die Möglichkeit zu schaffen, mehr über  eigentlich und hoffentlich  vergangene Zeit des Kalten Krieges zu erfahren und dabei die Entwicklung weg von solchen Rivalitäten, die auch Menschenleben gekostet und viel Unglück über die Leute gebracht haben, auf zu zeigen.

 

AZBW: Wem gehört das Gelände und die Türme?

Meier: Das gesamte Gelände ist im Besitz einer privaten GmbH und wird auch von dieser verwaltet und betrieben.

 

AZBW: Wie entstand die Idee zur Aussichtsplattform?

Meier: Wir haben uns natürlich überlegt, wie kann man dieses ungewöhnliche Gelände mit den Bauten nutzen. Es wurden alle möglichen Vorschläge gemacht und am Ende entschieden wir uns für eine Idee, die relativ zügig umgesetzt werden konnte(Bauzeit 1Jahr), die finanziell einigermassen zu stemmen ist, bei der wir aber vor allem  sehen können, ob Interesse von seiten der Menschen an diesem Bauwerk besteht

 

AZBW: Gab es Förderungen finanzieller Art?

Meier: Es gab für die Plattform keinerlei staatliche oder touristische finanzielle Hilfen oder Förderungen. Die üblichen Fördermittel der Wirtschaft für Betriebe und Firmen wurden ausgeschöpft.

 

AZBW: Gibt es Inventarlisten, Aufzeichnungen und Baupläne zu den Türmen?

Da der Hauptturm vom Militär, hier der Bundeswehr, betrieben wurde, gibt es natürlich eine große Anzahl von akribisch geführten Unterlagen, Plänen, Vermerken, so dass wir uns auf eine Fülle von Informationen stützen können. Selbst der Abriss und dessen Kosten  wurden bereits im Vorfeld geplant und ausführlich dargestellt.

AZBW: Aus welchen Material wurden die Türme denn errichtet?

Meier: Das gesamte Bauwerk ist aus Stahlbeton, im Innern des Hauptturms sind bis zur Plattform acht Etagen untergebracht. Außerdem gibts ein rundes Treppenhaus mit einer Wendeltreppe, einen noch aktiven Aufzug und Fluchtrutsche über die gesamten 8 Stockwerke.

Wendeltreppe Fluchtrutsche

Blick ins Treppenhaus mit Fluchtrutsche im Inneren des Hauptturms.

Büros Natoturm

Ehemalige Büros im 4.Stock des Hauptturmes am Hohenbogen

AZBW: Was befindet sich im zweiten Turm, auch Babyturm genannt?

Meier: Dieser Turm ist sehr viel einfacher gestaltet, es gibt keine ausgebauten Stockwerke. Er wurde nur als Antennenträger genutzt. Im Innern ist dieser kleinere Turm hohl und es führt nur eine Art einfacher Steigleiter nach oben.

AZBW: Gab es denn militärische Vorfälle irgendeiner Art?

Meier: Hier ist uns nichts bekannt, ausser der Spionagefall Tutter.

Anmerkung Ausflugsziele Bay. Wald:   Was nichts besagen muss. Ein Vorfall, der Aufsehen erregte, war die Aufdeckung des Spionagefalles  des ehemaligen SS-Mitglieds Tutter aus Kötzting, der für die Seite des Warschauer Paktes spionierte und wegen seiner Sprachkenntnisse als Zivilangestellter im Turm am Hohen Bogen arbeitete.  ( Artikel  zu Tutter auf Wikipedia)

 

AZBW: Was hat es mit dem Bunker auf sich?

Meier: Es handelt sich hierbei nur um einen kleinen Atomschutzbunker. Er war gedacht für etwa 50 Personen, die im Ernstfall hier für einige Zeit Schutz finden konnten. Für Zivilpersonen war diese Schutzmassnahme nicht errichtet worden, nur für Militärpersonal. Die Bunkeranlage ist wegen Sicherheitsbestimmungen, Feuerschutz und ähnl.  nicht öffentlich zugänglich.

Telefonzentrale

Die Telefonzentrale im Atomschutzbunker Hohenbogen

Pritschen

Schlafprischen im Ruheraum des Bunkers

AZBW: Wie sehen die Planungen über weitergehende zukünftige Nutzung aus?

Meier:  Unser zukünftiges Ziel ist es, mit der regionalen sowie überregionalen politischen Ebene in Kontakt zu kommen, um diesem, für die politische Bildung wichtigem Thema,  Kalter Krieg bzw.  Europagedanke Gewicht zu verleihen und die Orte der Geschichte wie den Atonschutzbunker oder die Räume im Turm für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Man sollte  versuchen, für Interessierte(Schulklassen, Vereine, ….) direkt an den Orten, wo sich die zwei Blöcke Ost und West belauert, ausspioniert und mißtraut haben, anschaulich darzustellen, dass an eben dieser Stelle  Ost und West auch friedlich und konstruktiv miteinander leben und sich begegnen können. Für den Förderverein „Sektor F“ ist dies eine der Hauptaufgaben in nächster Zeit, Fördermitglieder sind deshalb sehr willkommen.

 

Turm im Nebel

Geheimnisvolle Türme….

 

Anmerkung des Autors: Der Verein „Sektor F“ ist nicht zu verwechseln mit dem Verein der Ehemaligen des Hohen Bogens.

Es gibt mittlerweile einen Krimi deren Hauptfigur ein Spion, in einer Abhörstation in der Nähe der tschechischen Grenze arbeitet.

Hier der Link zu Buch:

 

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