Interview Grabung-Burg Runding

Uns hat die Burg Runding gut gefallen und wir wollten mehr zur Grabung und Restaurierung wissen. Deshalb haben wir mit dem Grabungsleiter, Dr Bernhard Ernst gesprochen. Unseren Ausflugstipp zur Burg Runding gibt es hier zum Nachlesen inklusive eines imposanten Videos der Fa. Fluglinse.

1. Wann haben Sie das erste Mal von einer Burg in Runding im Landkreis Cham erfahren? Konnten Sie sich da schon vorstellen, welche Ausmaße die Burganlange und welchen Umfang die archäologischen Arbeiten haben würden?

Dr. Ernst: Auf der Burgruine in Runding war ich erstmals 1973, aber ich kannte die Anlage schon eher aus Erzählungen meiner Mutter, die in ihrer Schulzeit dort war. 1973 war auch schon weitgehend klar, wie groß die Anlage ist, da historische Pläne zur Verfügung standen. An einer Ausgrabung dachte ich natürlich damals im Alter von 8 Jahren noch nicht.

2. Was waren die ersten Reaktionen der Einwohner von Runding, wußten diese überhaupt von der Burg. Wie wurden die Arbeiten später von der Bevölkerung begleitet?

Dr. Ernst: In Runding kennt jeder Einwohner von Kindesbeinen an die Burg. Die Reaktionen waren wie immer und überall bei Ausgrabungen. Ein kleiner Teil der Bevölkerung  ist hochinteresssiert, aber für den grösseren Teil ist das Ganze völlig unsinnig.

3. War das Gelände der Burganlage Privatbesitz oder im Besitz der Gemeinde, gibt es noch Nachkommen der ehemaligen Burgherren oder von späteren Besitzern bzw. Käufern?

Dr. Ernst: Das Gelände ist im Besitz der Familie Amberger und wurde nur auf einen bestimmten Zeitraum an die Gemeinde verpachtet o.ä. Von den ehemaligen Burgherren gibt es im Falle der Runtinger keine Nachkommen, von den Notthafft noch zwei verheiratete Schwestern und von den Eyb noch zahlreiche Nachkomen u.a. in Wörth / Donau. Von den privaten Besitzern des 19./20. Jhrhunderts vor den Ambergers weiß ich das nicht.

4. Wie muss man sich diese Ausgrabungsarbeiten vorstellen? Waren viele Menschen beteiligt, wurde täglich, auch im Winter, gearbeitet? Waren auch Hobbyarchäologen mit von der Partie und einfach interessierte Laien, oder durften sich nur professionelle und ausgebildete Leute beteiligt?

Dr. Ernst: Die Ausgrabungen liefen wie bei jeder anderen Ausgrabung in Deutschland auch. Es waren bis zu 15 Personen an der Ausgrabung beteiligt. Meist wurde in einer 4 Tage-Woche gearbeitet. Im Winter wurde nicht gearbeitet, da es in dieser Jahreszeit für alle Ausgrabungen problematisch ist. Lediglich in der 1. Kampagne 1999 haben wir bis Anfang Januar 2000 mit einer kleinen Truppe u.a. im überdachten Turm gearbeitet. Zum Punkt “ Hobbyarchäologen“: Die gibt es nicht! Es gibt ja auch keinen Hobychirurgen…. Es haben sich in Form von Mitgliedern der Burgfreunde Runding e.V. aber natürlich engagierte Laiene beteiligt. Ansonsten war ich immer der einzige ausgebildete Archäologe auf der Grabung, unterstützt von einem Maurer für Sanierungsarbeiten. Die Arbeitskräfte kamen vom Arbeitsamt und hatten in ihrem Leben alles mögliche gemacht, aber nie etwas mit Archäologie zu tun gehabt. Daher war es meist sehr schwierig, der Klientel das richtige Arbeiten beizubringen und alles entsprechend zu überwachen, um die gröbsten Fehler zu verhindern.

5. Gab es Probleme wegen einer möglichen Finanzierung und wie wurden diese Arbeiten grundsätzlich finanziert?

Dr. Ernst: Die Finanzierung wurde begonnen in den ersten beiden Jahren über das Förderprogramm der Regierung Schröder für langzeitarbeitslose Jugendliche mit guter finanzieller Ausstattung. In allem anderen Jahren waren es stets wechselnde Finanzierungsmodelle über diverse Töpfe, hier ist aber die Gemeinde Runding der richtige Ansprechpartner.

6. Wie war es für Sie, eine solche Ausgrabung durch zu führen, wie wichtig war es für Ihre berufliche Laufbahn?

Dr. Ernst: Die Ausgrabung war für mich eine Arbeit wie jede Ausgrabung davor und danach auch, allerdings mit dem Unterschied, dass sie sich über einen sehr langen Zeitraum – aber mit vielen Unterbrechungen – hinzog. Die Massnahme war äußerst anstrengend wegen der ausschließlichen Mitarbeit nicht fachbezogener Kräfte.  Das hat sich bei meinen weiteren Arbeiten seither zum Glück grundlegend geändert. Für meine berufliche Laufbahn hatte die Massnahme keine Bedeutung, da sie ja zu keiner wie auch immer gearteten Daueranstellung führte(und auch nicht führen konnte!). Allerdings wäre natürlich ein Kreisarchäologe für Cham eine gute Sache, da hier doch bisher immer vieles im Argen lag.

7. Wie lange dauerten die Arbeiten an der Anlage?

Dr. Ernst: Die Arbeiten wurden im Frühjahr 1999 begonnen und dauerten mit diversen Unterbrechungen bis Ende 2011. Allerdings muss betont werden, dass die Arbeiten bei ihrer Einstellung durch die Gemeinde keineswegs beendet waren. So gibt es auf der alleine archäologisch untersuchten Hauptburg noch Sanierungsbedarf. Im Bereich der Borbur und der Außenanlagen wurden keinerlei Ausgrabungen durchgeführt. Für diesen Bereich gibt es nicht einmal einen Vermessungsplan der Bestandes. Zudem verfallen hier die vorhandenen Baustrukturen weiter munter vor sich hin, doch das wird nicht zur Kenntnis genommen. Auch für die Bearbeitung, Restaurierung und museale Präsentation des Fundmaterials wurde nichts mehr in die Wege geleitet, ebensowenig für die wissenschaftliche Bearbeitung der Befunde. Dies alles wäre aber sowieso nur mit einem größeren Mitarbeiterstab zu leisten.

8. Besuchen Sie heute noch manchmal Ihre frühere Wirkungsstätte?

Dr. Ernst: Ich habe seit meinem Weggang die Anlage nicht mehr besucht und habe es auch nicht vor, da ich mich dann über zu viele Dinge ärgern müßte. Neben dem Abbruch der Arbeiten ohne Beendigung ist dies auch die jetztige Art der Beschilderung der Anlage. Hierfür wurde von meiner Person ein detailliertes Konzept ausgearbeitet, welches dann aber durch die Kollegin des BLfD aus Regensburg völlig umgemodelt wurde, so dass es in seiner ursprünglichen Form nicht mehr erkennbar ist. Und das muss ich mir nun doch nicht antun.

9. Sie sind „Mittelalterarchäologe, was macht ein solcher Archäologe im Detail und woran arbeiten Sie zur Zeit?

Dr. Ernst: Ich bin tatsächlich Mittelalter und Neuzeitarchäologe, aber ohne Anführungszeichen, denn die Berufsbezeichnung heißt tatsächlich so.  Wir beschäftigen uns mit dem gesamten Zeitraum zwischen dem Frühmittelalter(ab ca. 500 n. Chr.) und der Zeit des 2.Weltkriegs und da mit allen Bereichen, die mit archäologischen Mitteln zu erforschen sind, z.B. Burgen, Kirchen, Klöster, Hausbau in Stadt und Land, Stadtbefestigungen, Handwerk und Technik in jeder Form, Seefahrt, Gräberfelder und Friedhöfe, Alltagsleben mit Geschirr wie Keramik und Glas, Gegenständen aus Bein, Holz und allen Metallen etc. etc. Die Tätigkeiten im Detail zu schildern würde Bücher füllen. Ich könnte Ihnen aber hierfür als Lektüre empfehlen: G.P. Fehring, Einführung in die Archäologie des Mittelalters. Ich selbst habe zuletzt eine größere Grabung in Pfaffenhofen a.d.Ilm durchgeführt, über die ich gerade einen Bericht verfasse.

Sehr geehrter Herr Dr. Ernst, vielen herzlichen Dank dass Sie sich die Zeit für unsere Fragen genommen haben. Wir sind uns sicher, dass unsere Leser mit diesem Hintergrund sich noch besser auf der Burgruine Runding zurecht finden werden. Jetzt können sich die Leser vielleicht die Arbeit eines Archäologen besser vorstellen und gehen bei ihrem nächsten Besucher einer Burg aufmerksamer heran.

P.S. Erst vor einigen Tagen hörte ich einem Ehepaar auf einer anderen Burganlage zufällig bei deren Unterhaltung zu. Beide waren sich einig, dass die Betreiber ( auch hier ein Verein) genügend Geld hätten und man nichts in die bereit gestellte Spendenbox werfen bräuchte! Bei mir bleibt bei so einer Einstellung nur ein Kopfschüttel übrig.

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