Schrazellöcher-Erdstall

Geheimnisvolle unterirdische Gänge im Bayerischen Wald – die Schrazellöcher

Diese, von Menschen Hand geschaffenen Gänge und Höhlen sind wohl über 1000 Jahre alt. Im Bayerischen Wald findet man eine Vielzahl der sogenannten Schrazellöcher. Die meisten dieser Art von Kleinhöhlen sind aber normalerweise kaum öffentlich zugänglich. Da ich aber hier Ausflugsziele vorstellen möchte, habe ich natürlich nach einem zugänglichen Erdstall gesucht und ihn tatsächlich auch gefunden. In der Gemeinde Arnschwang im Landkreis Cham gibt es ein solches Schratzelloch. Die kleine Marktgemeinde liegt zwischen Cham und Furth im Wald. Bewaffnet mit Kamera und Stirnlampe
gings los.

Schratzlloch

Erdstall oder auch Schrazelloch genannt, dass man in Arnschwang besichtigen kann

Nach alten Aufzeichnungen des Schullehrers und Heimatforschers Johann Brunner aus dem Jahre 1904 soll es in Arnschwang über 55 solcher geheimnisvollen Höhlen gegeben haben oder noch geben, gleichwohl dürften viele  davon heute nicht mehr vorhanden sein, sie sind verschüttet oder zerstört.

Warum, wieso, weshalb?

Die Schrazellöcher findet man im Allgemeinen in der Nähe von alten Häusern, Kirchen oder Klöstern, manchmal, wenn auch selten, auf freiem Feld. Warum diese Schwarzlöcher, wie man sie vor allem im Volksmund nennt, gegraben wurden, ist bis heute trotz aller Forschungen noch nicht abschließend geklärt. Intensive Untersuchungen über Bedeutung und Vorkommen betreibt die seit fast 40 Jahren bestehende Gesellschaft zur Erdstallforschng.

Skizze Schratzlloch

Alte Skizze aus dem Jahre 1904 des Schrazelloch

Es gibt bisher drei Hauptthesen bzgl. der  Bedeutung der Höhlen. Zum Ersten, die Nutzung für die  Vorratshaltung, dann als Fluchtstätte und zuletzt als rituelle Kultstätte.
Vorratshaltung in diesen Höhlen ist grundsätzlich möglich, aber man kann wohl davon ausgehen, dass die grossen Anstrengungen für das Graben der Höhlen kaum allein dazu aufgewendet wurden. Auch die Möglichkeit, die Erdställe als Zufluchtsort vor Feinden zu nutzen, scheitert an logischen Erklärungen. Die Gänge und Schlupflöcher sind nicht sonderlich lang und haben keinen zweiten Zugang oder Fluchtausgang. Das Versteck würde schnell zur Falle werden. Zusätzlich besteht beim Aufenthalt mehrerer Personen nach einer gewissen Zeit Sauerstoffmangel und ist somit nicht für längere Aufenthalte geeignet. Feinde können diesen Sauerstoffmangel durch ein Feuer über dem Eingang zusätzlich beschleunigen. Aber auch diese Erkenntnis ist nicht mit letzter Sicherheit belegt. Manche Schrazellöcher haben nämlich Luftlöcher und könnten durchaus auch als urzeitliche Wohnstätten genutzt worden sein.
Bleibt also noch die Theorie einer Kultstätte, die wohl am wahrscheinlichsten klingt. Die Höhlen und Gänge werden und wurden auch Seelengänge genannt, weil hier ein Platz für Verstorbene und deren Seelen sein sollte, und ein Platz für deren Angehörige als eine Art Begegnungsstätte mit den Seelen.
Dabei geht man von der Vermutung aus, dass die Engstellen (Schlupfe) einer rituellen Reinigung dienen sollten. Alles, was man loswerden wollte, wurde quasi beim Durchqueren abgestreift. Auf dem Foto oben kann man die Beengtheit der Höhlen und Gänge sehr gut erkennen. Es gibt aber tätsächlich noch kleinere Schlupfstellen in diesem Erdloch, die rechts vom Hauptgang abgehen.

Je länger ich zu den Schratzellöchern recherchiere, desto mehr verschiedene Meinungen und Theorien gibt es. Und desto mehr Fundorte „tauchen“. Manch ein Besitzer eines solchen Bodendenkmal möchte erst gar nicht das die Öffentlichkeit von der Existenz eines slochen Schrazelloches erfährt.

Wo findet man noch Schrazellöcher im Bayerischen Wald?

Ich habe bis jetzt kein weiteres Schrazelloch gefunden, dass man so ohne weiteres besichtigen kann. Es gibt aber in der Stadt Viechtach etwa 9 Löcher, alle rund um das Rathaus, weitere sechs Unterweltgänge in der näheren Umgebung der Stadt. Bei den Schrazelloch in der Gemeinde Waffenbrunn z.Bsp. kann der Eingang durch eine Glasscheibe hindurch besichtigt werden, eine Hinweistafel erklärt dabei die Geschichte.

Nachtrag am 04.11.2016 zum Schrazelloch in Waffenbrunn. Hinweistafel fehlt, Lichtschalter ist noch vorhanden. Es gibt keine Glasplatte mehr.Vielleicht bringen wir noch in Erfahrung warum das so ist.

Wie fühlt man sich in so einem Loch?

Als ich zum ersten Mal von solch einem Loch hörte, habe ich mir sofort vorgestellt, wie es wohl sein würde, eines zu besichtigen. Es ist tatsächlich etwas Besonderes, durch diese engen, teilweise sehr alten Gänge zu schlüpfen. In einigen verwinkelten Räumen und Gängen kann man sich nur auf allen Vieren bewegen.Trotzdem war mein Gefühl in den unterirdischen Kammern nicht Beengtheit, sondern eher eine Art von Entdeckerlust und auch Ehrfurcht.

Damit ihr euch all das besser vorstellen könnt, habe ein kleines Video aus einem Schrazelloch gedreht . Ich denke, so könnt ihr euch einen perfekten Eindruck verschaffen, auch dann, wenn ihr nicht so gerne in engen Löchern herum rutschen wollt.

 

Kontakt zur Besichtigung des Erdstall  in Arnschwang: Herr Hruschka, Fahrradmuseum Arnschwang

Email: info@fahrradmuseum.eu   Telefon: 09977 / 903221

Literatur: Jahresheft “ Der Erdstall“ des Arbeitskreis für Erstallforschung

Vielen Dank an Herrn Hruschka und Herrn Heitzer, die sich Zeit für all meine Fragen genommen haben und mir die Gänge gezeigt haben.

 

Auch spannend: Die unterirdischen Gänge in Zwiesel

 

 

2 Kommentare zu Schrazellöcher-Erdstall

  1. Bo sagt:

    Sehr informativer Artikel.
    Vor allem, weil ich so Geheimnis-umwitterte, und noch nicht restlos geklärte Dinge mag. Sie lassen so wunderbaren Spielraum für Phantasie.
    Vieles ist einfach viel anziehender, wenn man die drei Fragen – wieso, weshalb, warum – nicht immer, beantworten kann.
    Gruß Bo

  2. Pingback:Museum zur Geschichte des Waldes in Ostbayern | Ausflugsziele und Tipps für den Bayerischen Wald

Schreibe einen Kommentar

Please use your real name instead of your company name or keyword spam.