Wo findet man besondere Weihnachtskrippen

Gastbeitrag von Johann Dendorfer, Präsident des Welverband der Krippenfreunde (UN-FOE-PRAE, Universalis Foederatio Praesepistica)
An Heilig Abend traf ich Johann Dendorfer, der sich seit über 30 Jahren mit Krippen in der Oberpfalz beschäftigt. Ich bat ihn uns einmal einen kleinen Einblick in die Welt der Weihnachtskrippen zu geben. Hier ist sein Beitrag.
Johann Dendorfer

Johann Dendorfer, Präsident des Weltverband der Krippenfreunde, Un-Foe-Prae.

Der Reiz der Weihnachtskrippe

Weihnachten – Kirche – Krippe – das gehört in diesen Tagen einfach zusammen. Der Gang von Maria und Josef nach Bethlehem wegen der von Kaiser Augustus angeordneten Volkszählung – die vergebliche Herbergssuche – die Hirten – der Stall von Bethlehem – das ist uns vertraut.

Inspiriert durch diese Ur-Krippe von Bethlehem ist überall auf der Welt etwas geschehen, was viele Menschen in der Weihnachtszeit nicht mehr vermissen wollen – das Aufstellen von Krippen. Das Wissen um die Krippe berührt viele Fachbereiche – die Theologie und Verkündigung – die Volkskunst und die Kunst. Die Krippe ist also sozusagen eingebettet in die Kreativität des Geistes und in die Kunst der menschlichen Hände. Die Weihnachtskrippe ist aber kein Kunstobjekt oder Folklore – sie ist etwas Spirituelles, ein christliches Symbol, ein Zeichen des Glaubens. Denn in der Krippe wird das Wort Gottes leibhaftig Mensch – Gott wird letztendlich „fassbar – unfassbar“. Das Nachbilden jener Ur-Krippe von Bethlehem führte in den verschiedenen Jahrhunderten und Landschaften zu einem wertvollen gemeinsamen europäischen, ja sogar internationalem Kulturgut.

Maßgeblichen Anteil an der Krippe in der heutigen Form hatte der Jesuitenorden. Sie haben die pädagogischen Möglichkeiten des Krippenbaus erkannt und bei der flächendeckenden Re-Katholizierung genutzt. Die Weihnachtskrippen, so der Jesuitenmönch Philipp de Berlaymont 1619, sollen den Betrachter auf eine verständliche Art Gott näher bringen. Um dies zu erreichen, musste die Krippe dreidimensional – also räumlich – sein, so wie wir es von den Krippen eben gewohnt sind.

Nach Bayern kam die Krippe relativ spät, nämlich erst 1601. In Altötting wurde die erste Krippe nördlich der Alpen aufgestellt. Danach hielt die Krippe sehr rasch seinen Einzug bis in die Land- und Filialkirchen. Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts, dem Zeitalter der Aufklärung, richteten sich politische und religiöse Reformen gegen alles fromme Brauchtum – auch gegen das Aufstellen der Krippen. Im Bistum Regensburg hat man das im Jahr 1782 versucht, und ein generelles Verbot in ganz Bayern kam dann 1803. Dieses Verbot wurde dann 1825 durch König Ludwig I. aufgehoben.

Heute erfreuen uns überall in den Kirchen wundervolle Krippen – wobei es eine „speziell bayerische oder waldlerische Krippe“ nicht gibt. Denn zu groß sind die Eigenheiten jeder Region.

Damit die Krippenkultur erhalten, gepflegt und auch weitergetragen wird, engagieren sich nicht nur bayernweit, sondern sogar weltweit krippenbegeisterte Menschen, die oftmals in Vereinen und Verbänden organisiert sind. Im ostbayerischen Raum gibt es unter dem Dach des Landesverbandes Bayerischer Krippenfreunde Vereine in Furth im Wald, Straubing, Regensburg, Plößberg, Tirschenreuth und Amberg. Alle Landesverbände und somit alle dort organisierten Krippenfreunde gehören dem Weltverband der Krippenfreunde (UN-FOE-PRAE, Universalis Foederatio Praesepistica) mit Sitz in Rom an. Geführt wird dieser Weltverband von einem internationalen Präsidium, dessen Präsident Johann Dendorfer im ostbayerischen Furth im Wald wohnt.

Krippen sind eine Brücke zwischen Gott und den Menschen. Auch in Ostbayern laden bis zum 02. Februar viele Kirchen ein zum Besuch ihrer Weihnachtskrippen.

Mit einem kleinem, unvollständigen Auszug schöner Kirchenkrippen wollen wir Sie einladen zu einer Entdeckungstour:

Stadtpfarrkirche Maria-Himmelfahrt Furth im Wald (Kirchenkrippe und Jahreskrippe); Eschlkam (Besonderheit: statt der Heiligen Drei Könige werden hier die Patrone der 3 Nebenpfarreien dargestellt); Wallfahrtskirche Neukirchen beim heiligen Blut, Lam; Lohberg; Bad Kötzting Stadtpfarrkirche sowie St. Veit-Kirche (Marktplatz); Miltach; Blaibach; Harrling (bei Zandt); Rimbach; Zenching; Arnschwang; Ränkam bei Furth im Wald; alle Kirchen in der Kreisstadt Cham; Stadtpfarrkirche St. Stephan Waldmünchen (auch hier zusätzlich eine Jahreskrippe); Geigant (fast lebensgroße Figuren aus Holz von Helmuth-Gebhard Piccolruaz, Südtirol); Roding Stadtpfarrkirche St. Pankration (barocke bekleidete Figuren)

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