Wo kann ich eine Rauhnachtfeier live erleben?

Diese Rauhnachtsfeiern im Bayerischen Wald  könnt ihr besuchen

Als ich die Einladung zum Vortrag über die Rauhnächte von Josef Probst ( Buchautor und Heimatforscher aus Regen) bekam, musste ich unbedingt zusagen. Denn schon seit geraumer Zeit wollte ich Details zu den Rauhnächten und  zu deren Hintergründe erfahren.

Josef Probst beim Vortrag über die Rauhnächte in Regen

…. Josef Probst beim Vortrag über die Rauhnächte in Regen

Im Vortrag vom Probst Sepp, war dann zu erfahren, dass die  Rauhnächte schon in der Nacht ab dem 24.Dezember  ab 18 Uhr beginnen und bis zum 06. Januar andauern. Es sind 12 Rauhnächte in der Zeit „zwischen den Jahren“. Man nennt sie auch “ Losnächte“  Der Begriff Los komt wohl vom Wort lousen also hören. Denn in den Losnächten oder auch Lousnächten können Mensch u.U. mit den Tieren im Stall sprechen. Wer aber diese Fähigkeit besitzt, wird, so die Sage, im nächsten Jahr sterben.

In der gesamten Zeit der Rauhnächte sollte man sich in Acht nehmen vor den Waldgeistern, Hexen und Fabelwesen. Hauptsächlich folgende zwielichtige Gestalten sind dann zu Gange….

 …..die Drud

Die Drud kann Mensch und Tier befallen. Der befallene Mensch kann sich im Bett nicht mehr bewegen und ist fast ganz gelähmt. Denn die  Drud saugt Energie aus Mensch und Tier. Ein Gegenmittel wäre das Drudenmesser, dass man unters Kopfkissen von Neugeborenen legt. Auch ein Drudenstern oder ein Drudenkeuz, an die Wand gemalt, soll die Heimsuchung fernhalten. Es gibt auch Abwehrsprüche, die sehr clever sind. So stellt man der Drud z.B. die Aufgabe alle Bäume im Wald zu zählen, eh sie wieder erscheinen darf.

….die weiße Frau

Fabelwesen weisse Frau

Die weisse Frau wartet am Strassenrand…

Sie wird als eine Erscheinung am Strassenrand erwähnt, sie soll eine unruhige Seele sein, die einst auf der Straße zu Tode kam. Seither sucht sie den Unfallverursacher und wartet deshalb am Straßenrand auf die Autofahrer. Viele scheinen die Frau schon auf dem Rücksitz gesehen zu haben. Nicht selten verursachte der Fahrer deshalb einen Unfall, weil er sich zu Tode erschrocken hat, logisch. Wie das mit Sagenfiguren so ist gibt es eine gute und eine böse Version. Der guten, weißen Frau sagt man nach, dass sie die Menschen vor einer unfallträchtigen Straßenkreuzung warnen möchte. Die Version der bösen weißen Frau klingt genau anders herum. Die böse weiße Frau soll einst selbst Opfer eines Autofahrers geworden sein und möchte sich jetzt an diesem rächen. Auf ihrer Suche nach dem bösen Autofahrer macht sie dann aber auch nicht Halt vor Unschuldigen.

Die Kirchen haben die Version der bösen Geister wohl oft dazu benutzt, um zu verdeutlichen, dass es nur eine einzige Institution geben kann, die Gutes vermag. Damit wollte man wohl den Geisterglauben im Woid in Schach halten und die Menschen sollten sich auf die Kirche verlassen und nicht auf irgend welche Sagenfiguren oder Geister. Aus heutiger Sicht kann man nicht unbedingt sagen, dass dies von Erfolg gekrönt war.

Schwarzer Geisterhund

Geisterhund

Der schwarze Geisterhund mit leuchtend roten Augen

Die Sagengestalt des Geisterhundes wurde schon von den Säumern( erste Transporteure per Pferd) beschrieben. Der Hund ist viel größer als ein normaler Hund, komplett schwarz und besitzt glühende Augen. Was hat es mit dem Hund auf sich? Manche glauben, der Geisterhund verkörpert den Teufel. Andere wiederum sagen dem Hund nach, dass er den Tod ankündigt, wer ihn sieht, wird bald sterben.

Mir persönlich gefällt diese Version am besten. Die Geisterhunde (arme Seelen) sollen vom Teufel verflucht worden sein einen Schatz zu bewachen. Der Schatz befindet sich in einer Truhe, einer Felsspalte oder unterirdischen Gängen. Menschen, die gezielt nach dem Schatz gesucht haben, wurden vom Geisterhund geholt.  Andere Menschen, die ohne Furcht dem schwarzen Hund begegnet sind und ihn streichelten, haben so die arme Seele, die im Hund gefangen ist, erlöst. Die Schatzjäger sollten aber auf jedenfall einen geweihten Rosenkranz bei sich tragen. Nur für alle Fälle, man weiß ja nie wer einem so im Wald begegnet. Der Geisterhund soll wohl eher Menschen in Angst versetzten, nicht verletzten. So sind auch noch keine Berichte bekannt, dass ein Mensch zu Schaden kam.

Aber auch dieser Geist verliert bei Tagesanbruch seine Kraft und verschwindet dann wieder.

Nebelgeister/ Nebelfrauen

Die Nebelgeister erscheinen fast immer mit dem beginnenden Novembernebel. Sie sind durchsichtige, schleierhafte Wesen. Man sagt den Nebelgeistern oder Nebelfrauen nach, dass sie Menschen von den Dörfern weg locken und auf Abwege, ins Moor oder Wasser führen.

Die Nebelgeister trifft man ab Ende Dezember....

Die Nebelgeister trifft man ab Ende Dezember….

Buckelgeister/ Aufsitzer

Ehrlich gesagt hatte ich bis zum Vortrag von Josef Probst noch nie von diesen Geistern gehört, Deshalb musste ich gleich genauer nachfragen. Der Aufsitzer oder Buckelgeist wird als schwarzer Geißbock oder schwarzer Hund beschrieben. Diese Geister , so erzählt man sich, befallen den Menschen an bestimmten Stellen. Sie springen auf den Rücken und man kann den Buckelgeist nicht abschütteln und muss ihn mittragen. Nach einer gewissen Zeit springt der Aufsitzergeist dann wieder herunter. Oft steht an dieser Stelle ein Wegkreuz oder eine Kapelle. Natürlich ist aber spätestens beim Taganläuten Schluss mit dem Buckelgeist.

Irrlichter

Irrlichter sind kleine Lichter, die man im Wald, im Moor oder auf der Wiese sehen kann. Irrlichter sollen arme Seelen sein, die erlöst werden wollen. In Wäldern und Mooren wurden immer wieder Menschen getötet,deren Seelen auf die Erlösung warten. Sie fliegen von November bis zum Frühjahr durch die Luft. Es soll sogar einen Priester gegeben haben, der die Irrlichter in seinem Kirchenbuch beschrieben hat. Und wie es bei allen Geistern ist, es gibt gute und schlechte Irrlichter. Die guten Irrlichter zeigen den Menschen den Weg aus  z.B. dem dunklen Wald. Die schlechten Irrlichter leiten Menschen tief hinein ins Moor oder ins Wasser.

Die bluadige (blutige) Luzia

Die blutige Luzia wird als ein Schreckensgeist beschrieben, der Kindern in den Rauhnächten auflauert und ihnen den Bauch mit ihrer Sense aufschneidet und mit Steinen füllt. Viele Generationen an Großeltern haben ihre Enkel mit Geschichten über die Bluadige Luzie erschreckt.

Es gibt natürlich noch eine ganze Reihe andere Geister, Hexen ( z.B. Osserhexen) und Sagengestalten ( z.B. die Howagoaß) je nach Region oder Ortschaft. Ich habe hier nur mal die wichtigsten oder besser gesagt die bekanntesten aufgezeigt.

Warum eigentlich Rauhnachtsumzüge?

Man vermutet, dass man mit den grausigen Masken und Verkleidungen bei einem Rauhnachtsumzug die andern Geister und Dämonen täuschen kann. Fliegen die Waldgeister über ein Dorf und sehen wilde Gestalten dort wirken, so fliegen sie weiter und suchen sich einen anderen Ort an dem sie Platz für ihr eigenes Geistertreiben finden. Wer also ein Rauhnachtstreiben besucht, kann sich in der Rauhnacht sicher vor den „wahren Geistern“ fühlen.

Die wilde Jagd ( das Nachtgloit) ist eine besondere Form der Rauhnachtsumzüge. Dabei zieht eine wilde Gruppe, der Sage nach,Wotan und sein Gefolge, durchs Land. Wer ihnen begegnet kann nicht entweichen und wird mit geschleppt. Nur wer es schafft sich rechtzeitig auf den Boden zu werfen und Hände und Füße zu kreuzen, kann verschont werden. Ansonsten wird der Mensch vom Nachtgloit mit durch Büsche und Bäume gezogen.

Die Traditon der Rauhnächte stammt wahrscheinlich von den Germanen. Diese haben in der Nacht geräuchert und Dankgebete zu den Göttern gesprochen. Rauchnacht – Rauhnacht, so könnte der Begriff der Rauhnacht entstanden sein.

Auch das Wolfsauslassen geht zurück auf die Germanen. Zur Wintersonnenwende versuchten die German den Fenris, den Götterwolf mit lautem Schlagen auf Schilder und Metall zu vertreiben. Die Germanen glaubten, der Götterwolf könnte in der kürztesten Nacht die Sonne verschlingen, so das die Welt untergeht. Die katholische Kirche hat diesen Brauch dann verboten. Daraus wurde dann ein Hirtenbrauch, bei dem die Hirten von Bauer zu Bauer zogen, um ihren Lohn zu fordern.

Heute wird an Martini ( 11. November) an manchen Orten im Bayerischen Wald noch der Brauch des Wolfsauslassen gepflegt. Dabei hängen sich Burschen eine große Glocke um und ziehen so mit lautem Geläut von draussen in die Ortschaft.

Hier ein kleiner Videofilm von der Rauhnachtsfeier in Lam.

Rauhnachtsgeister

Wilde Gesellen bei der Rauhnachtsfeier

Weitere Rauhnächte unterm Jahr sind:

30.April -01. Mai Waldpurgisnacht

01.-02. November Allerheiligen-Allerseelennacht

06. Dezember Nikolausnacht

13.Dezember Luzianacht, die Lichtkönigin

 

Ausflugstipps für Rauhnachtsfeiern:

27.12.14 Rauhnachtsfeier in Englshütt/ Lam am Dorfanger

27.12.14 Zenting, Koishüttler Lousnachtsgeister am Rathausplatz

28.12.14 Rauhnacht in St. Englmar

05. Januar 2015 Rauhnachtstreiben in Neuschönau

05.Januar 2015 Rauhnacht Altreichenau

05. Januar 2015 Rauhnachtsfeier in Waldkirchen

Dieser Artikel entstand nach dem Vortrag von Josef Probst, Heimatforscher in Regen. Vielen Dank für die Informationen und Auskünfte rund um die Rauhnächte.

 

Eines von 4 Büchern zu Sagen ( Rezepte und mehr) im Bayerischen Wald von Josef Probst.

4 Kommentare zu Wo kann ich eine Rauhnachtfeier live erleben?

  1. Lieber Wolfgang,

    Was es nicht alles an Bräuchen gibt. Eine interessante Alternative zum überfüllten Weihnachtsmarkt. Das würde ich mir wirklich gerne einmal anschauen. Sehr spannend darüber zu lesen.

    Liebe Grüße, Nicola

  2. Wanderer sagt:

    Hallo Nicola,
    so eine Rauhnachtsfeier ist schon etwas ganz anderes und dann auch noch „zwischen den Jahren“. Wenn du im Bayerischen Wald unterwegs bist, kann ich dir die Rauhnachtsfeier in Lam wärmstens empfehlen.

    Schöne Grüsse
    Wolfgang

  3. Servus, ich freue mich sehr, diese Seite hier gefunden zu haben, weckt es bei mir Erinnerungen an Neuschönau und einen sehr lieben Freund, der leider schon verstorben ist! Er erzählte mir viele solcher Raunachtgeschichten aus seiner Kindheit, so sind mir diese Geister und Unholde sehr bekannt.

    Schöne Grüße E. G. Pelz aus Regensburg

  4. Wanderer sagt:

    Sehr geehrter Herr Pelz,
    schön das Sie unseren Blog gefunden haben.
    Wir können Ihnn dann noch das Buch “ Mystischer Bayerischer Wald“ von Josef Probst ans Herz legen.

    Zu finden hier bei Amazon*:Mystischer Bayerischer Wald: Sagenumwobene Orte, Sagen und Geistergeschichten über die Drud, die weiße Frau und viele andere

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